von Baeyer: Das informative Universum

In „Das informative Universum“ macht sich Hans Christian von Baeyer auf die Suche nach der Information nach Lesart der Wissenschaft. Nur um – als er sie gefunden hat – wieder aufzubrechen, um das Quantenbit vorzustellen, das für Kreativität in der binären Logik sorgen soll. Gute Nachrichten für Nerds: Er fordert, damit wir dem Allen Herr werden können „ein Umdenken in unserem quantitativen Denken“ und ein freundlicheres Verhältnis zu sperrigen mathematischen Funktionen wie dem Logarithmus.

baeyer

“Wenn die Wellenfunktion tatsächlich nur eine Art Speicher für Information ist, mit dem sich richtige Vorhersagen treffen lassen, dann ist der Urstoff der Welt die Information.”

Hans Christian von Baeyer eröffnet sein Buch – in schicker Tron-Optik – mit einem Symposium, das anlässlich des 90. Geburtstags von John Archibald Wheeler veranstaltet wird. Wheeler selbst stellt auf dem Symposium seine RBQs vor – seine Really Big Questions. Eine davon lautet „It from Bit?“ oder übersetzt „Das Seiende aus Bits?“ Der Frage, welche die Maker-Bewegung (Chris Anderson: Makers) gerade praktische beantworten will, geht von Baeyer theoretisch auf den Grund. Er ist überzeugt, dass das Informationszeitalter auch für die Physik einen Neuanfang bedeutet und die Quantenphysik ein Neuanfang für die Information.

Das Buch, das 2003 erstmals erschienen ist, geht natürlich nicht auf Plattformen wie Facebook oder Twitter ein. Dennoch wird auch dort schon von einem „Ozean aus Daten“ geschrieben.

Und jeder Tropfen ist eine Information, um bei Analogie zu bleiben. Doch was ist eigentlich Information? Dem versucht von Baeyer aus Sicht der Physik und der Chemie auf den Grund zu legen und das ist das eigentlich interessante an dem Buch.

Aus der Sicht des Naturwissenschaftlers ist Information nämlich, „ebenso wie Energie und Entropie, ein erfundener Begriff“. Allerdings ist er uns – da wir Daten schaffen, speichern und löschen – sehr behaglich. Daher könnte die Information eine gemeinsame Basis für alle Wissenschaften werden. Wir alle werden Nerds.

„Das informative Universum“ ist auch eine frühe Überlegung wie Quantencomputer funktionieren und vor allem welche Aufgaben sie übernehmen könnten. Es geht schlicht darum, aus dem klassischen binären System auszubrechen, und dem Computer – wie Google sagen würde – zu ermächtigen „kreative Probleme“ zu lösen. Sie können das „nicht Sichtbare in die Reichweite unserer Sinne“ holen.

Warum das? Weil eben alles nicht mehr so einfach ist. „Statt sich mit bestimmten, festliegenden Eigenschaften der Teilchen zu beschäftigen, wie mit dem Ort, der Geschwindigkeit, dem Gewicht oder der Größe, wie es die Wissenschaftler seit Newtons Zeit gemacht hatten, entfachte Boltzmann eine Diskussion über Zufallsprozesse und Wahrscheinlichkeiten. Die Physik, die Chemie und die Biologie sollte sich dadurch grundlegend ändern.“

Aber die Tür, die damals aufgestoßen wurde, können wir heute mithilfe der Rechner endlich durchschreiten, zum Beispiel in der Medizin: „Der genetische Code ist der Weg der Natur, mithilfe von Information eine Struktur oder Form festzulegen. Langsam lernen wir, diesen Trick der Schöpfung zu kopieren, doch im Augenblick gleichen wir immer noch eindimensionalen Regenwürmern, die ihre Hälse mit Verwunderung in die zweite und dritte Dimension stecken.“ Seufz!

Die meisten Argumente von Baeyers gehen auf Nils Bohr zurück, für den die Realität nur die Masse der vermittelten Information ist. Es ist daher ein „grober und unzeitgemäßer Fehler, diese Informationen bei unserer Diskussion über die Natur der physikalischen Welt unberücksichtigt zu lassen. Die Information ist also eine feste Größe und die Quantencomputer können in der Lage sein, Information in Realität zu übersetzen.

Fazit: Das informative Universum ist teilweise schwere Kost und zwängt physikalische Größen mit theoretischen Konzepten aus den Computerwissenschaften zusammen. Dass das aber hier – und in vielen anderen Büchern auch – funktioniert, zeigt, dass es tatsächlich einen Übergang zwischen der wilden Physik und der binären Logik gibt. In einer bestimmte Futurama-Folge schrickt Bender nachts auf, weil ihm im Alptraum eine 2 erschienen ist…so in etwa.

„Das informative Universum – Das neue Weltbild der Physik“ von Hans Christian von Baeyer. Erschienen 2005 bei C.H.Beck. 9,90 Euro.

http://www.chbeck.de/Baeyer-Christian-von-informative-Universum/productview.aspx?product=12817

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